Kiran Mendelsohn ist ein Kosmopolit. Er spricht fliessend und akzentfrei Englisch und sehr gut Russisch. Sein Japanisch mag etwas holprig sein, aber selbst in Kyoto würde er sich niemals verlaufen. Auch wenn er in Berlin lebt und arbeitet, so führt ihn nicht nur sein Beruf, sondern auch sein ganzes Lebensverständnis beständig in neue Regionen und Kulturen – in Deutschland, Europa und der ganzen Welt. So ist er aufgewachsen und hat sich daher auch einen global vernetzten Job ausgesucht.

Als Kontaktgruppe für internationale Ermittlungen begegnen er und sein Team Widersachern aus allen Bereichen des Verbrechens. Er jagt private und professionelle Täter – von Mördern und Betrügern jeglicher Couleur über organisierte Banden bis hin zu ideologischen und politischen Verbrechern, was ihn nicht selten mit anderen Diensten in Kontakt oder Konflikt bringt.

Sein Leben ist jedoch weder das eines mondänen Special-Agents, noch ist es eingeengt in einen regionaltypischen Kiez. Die Welt des Kiran Mendelsohn spielt in der Realität des Bundeskriminalamts, mit all ihren Verwicklungen aber ebenso entscheidend mit all der Bodenständigkeit, die die Thematik der internationalen Verbrechensbekämpfung mit sich bringt. Auch wenn manche Fälle brisant und die Gegner oftmals illuster sind, in Kirans beruflichem Alltag herrscht trotz der vielfältigen Erfahrungen und mitunter verrückten Situationen eine durchgehende Normalität.

Kirans Team verbindet junge Dynamik mit Erfahrung, Ecken und Kanten mit Professionalität. Die Protagonisten müssen nicht nur quer durch Deutschland reisen, sondern ihre Fälle oft auch im Ausland lösen. Dort müssen sie sich auf ihre lokalen Kollegen einlassen und sich mit kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten genauso auseinandersetzen wie mit den unterschiedlichsten kriminellen Mentalitäten.

Setting

Ausgangspunkt ist Berlin, Arbeitsort des Protagonisten Kiran Mendelsohn und seines Teams, in dem er als Berater und Profiler im Bereich der internationalen Koordinierung der Verbrechensbekämpfung für das Bundeskriminalamt ermittelt. Er unterstützt LKAs und Sonderkommissionen bundesweit und Kollegen im Ausland bei Fällen mit deutscher Beteiligung. Dazu ist Kiran lehrender Professor für Fallanalytik und Psychologie in der Akademie des BKA in Wiesbaden.

Kiran und sein Team werden immer dann auf den Plan gerufen, wenn sich Ermittlungen auf andere Bundesländer (oder andere Nationen) ausdehnen und ein organisiertes Vorgehen mit Institutionen auf Bundesebene angezeigt ist. Er berät in Fällen sowohl psychologischer als auch kriminalistischer Natur. Durch seine perfekten Sprachkenntnisse in Englisch und Russisch ist er der ideale Kontaktbeamte und zugleich Berater internationaler Teams.

Sein privater Lebensstil, das Loft in dem er lebt, seine japanisch beeinflusste Denkweise und vor allem das im Parterre seines Wohnhauses gelegene englische Bistro Lloyd‘s sowie die dort verkehrenden Charaktere prägen das örtliche Setting in Bezug auf Kirans Philosophie.

Im Lloyd‘s, Heimathafen für Menschen verschiedenster Herkunft, etabliert sich der soziale Zusammenhalt genauso wie die mitunter zynische Weltsicht der Bistro-Stammfamilie. Ein Hort der Ruhe und humorigen Analyse des Lebens, kann man hier mit stets zur Stimmung passender Musik und bei Bier, Whisky oder Wein trefflich über Schönes und Schreckliches sinnieren, reflektieren und debattieren. Niemals aber fehlt der nötige Schuss schwarzen, sarkastischen Humors.

Der Protagonist

Kiran bewohnt ein umgebautes Loft in der Dachetage eines Hauses am Paul-Lincke Ufer in Kreuzberg. Akribisch eingerichtet und organisiert ist es Tempel und Zuflucht zugleich. Von hier aus unternimmt er Ausflüge in die harte Realität der Gesellschaft, die seine perfekte Welt umgibt. Er liebt japanisches Essen, gesunde wie auch die Feinschmecker-Küche. In der Musik geniesst er alles, was von perfektionsgetriebenen Musikern in handwerklich höchster Qualität aufgenommen wurde. Er kleidet sich in zeitlos und lässig-elegantem Stil, ohne jemals durch irgendein Accessoire oder eine gerade angesagte Marke aufzufallen.

Kiran (der Name stammt aus dem Sanskrit und bedeutet Lichtstrahl) ist ein Kind der 70er und 80er Jahre. Sein familiäres Umfeld ist stark kunst- und kultur-orientiert, wodurch er eine gehörige Portionk psychologischer und soziologischer Debatten bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat. Seine Eltern, wohlhabend und von daher recht frei in ihren Entscheidungen, sind in der Frankfurter Kunstszene aktiv und das prägt ihn von Kindesbeinen an. Zu ihrem Leidwesen unterscheidet sich ihr Sohn jedoch beträchtlich von den anarchischen Bälgern ihrer Freunde und Kollegen. Weder malt er besonders gut, noch hat er Lust ein Instrument zu erlernen, lieber hört er Schallplatten. Konzerte findet er laut und anstrengend und beim Besuch eines Balletts ist er nach fünf Minuten tief eingeschlafen. Die einzige Disziplin, in der er Kreativität zeigt, ist das Kochen, wo er in der Küche nach Herzenslust mitmischt und auch die absurdesten Kreationen seiner eher nach visuellen Aspekten kochenden Eltern aufisst.

Überhaupt will der junge Kiran am liebsten eines – seine Ruhe. Also überlassen ihn seine Eltern seiner einzigen Liebe, den Büchern. Er lernt so früh lesen, dass ihn Comics schnell langweilen. Nachdem er die Kinderabteilung der Stadtbücherei komplett abgegrast hat, entdeckt er seine zukünftige Leidenschaft für Kriminalgeschichten. Im Alter von neun Jahren tritt ein fremdländisch aussehenden Mann in sein Leben: Herr Mifune bewohnt ein Dachatelier gegenüber von Kirans Wohnung, das er zu einem Aikido-Dojo ausgebaut hat und nachbarliche Freundschaft mit der Familie Mendelsohn schließt. Als Gegenleistung für die Hilfe bei der Renovierung bietet er sich an, nachnittags auf den kleinen Kiran aufzupassen.

Dies verändert Kirans Leben vollkommen. Vorbei sind die Zeiten, da er den ganzen Tag in seinen Büchern schmökern kann, denn das Programm im Dojo ist vollständig: Helfen in der Küche, Mittagessen, Hausaufgaben, Betreuung von Herrn Mifunes geliebten Pflanzen und Bäumchen.  Während er die Bonzais pflegt, schaut er fasziniert den nachmittäglichen Aikido-Lektionen zu. Angesichts seiner erklärten Abneigung gegen rohe Gewalt ist er zutiefst beeindruckt von einer Disziplin, die ausschliesslich auf Verteidigung basiert und deren durchgängiger Antrieb das ist, was ihn von jeher auszeichnet: Ruhe und Koordination. Ihm ist sofort klar, dass er diese Technik erlernen muss. Nach inständigen Betteleien wird er zum Schüler dieser Disziplin und Mifune Saito sein Lehrmeister.


So wandert Kiran auf recht beschauliche Art durch Schulzeit und Pubertät. Als er schließlich sein Abitur macht, entscheidet er sich zum Entsetzen seiner Eltern für einen Beruf nah an seinem Hobby, der Kriminologie. Sein erklärtes Ziel ist der höhere Dienst bei der Bundeskriminalpolizei. Daher durchläuft er zuerst die Ausbildung in der Akademie des Bundeskriminalamts. Als Schüler bereits einmal in den USA gewesen und mit einem Stipendium einer Highschool ausgestattet, verbringt er auf Empfehlung seines Ausbilders und Mentors Horst Roellinghoff zwei Jahre an der FBI-Academy in Quantico bei der Behavioral Science und im Special Training, um danach in Deutschland beim BKA zu lehren und zu arbeiten.

Natürlich hat selbst ein äusserlich in sich ruhender Typ wie Kiran Mendelsohn tiefe Abgründe. Seine psychologischen Themen sind Verlust der Kontrolle, das sich Einlassen auf tiefergehende Emotionen (inklusive der Menschen, die in seine Intimsphäre eindringen) und die Konfrontation mit brutaler Gewalt. Vor allem hier zieht sich Kirans Versuch, ein Verhältnis zu seinen Fähigkeiten in diesem Bereich zu finden, als Leitmotiv durch die Romane. Seine Ausbildung beim FBI endet mit einer traumatischen Erfahrung. Dieser Schock, der ihn völlig unvorbereitet mit der kruden Realität der Verbrechens konfrontiert, setzt seinen Träumen ein jähes Ende. Erst auf Einwirken seines Mentors hin entschließt er sich zu einem einjährigen Aufenthalt in einem japanischen Kloster, um seine Welt wieder halbwegs ins Lot zu bringen und vielleicht die Kraft zu finden, seinen erlernten Beruf doch noch auszuüben.

In der Folge laboriert Kiran an der Frage, ob ein BKA-Spezialist wie er sich tatsächlich komplett auf die theoretische Ebene zurückziehen kann, wenn er in diesem Beruf irgend etwas bewirken will. Es ist die entstehende Freundschaft zu seinem neuen Partner Bolko Blohm, der durch seine unkonventionelle und flapsige Art ein in jeder Hinsicht komplett anders gestrickter Mensch ist. Beide verbindet die Professionalität, mit der sie ihren Job ausüben. Die Ordnung, die sie ins Chaos ihrer Fälle bringen und die Lehren, die sie daraus ziehen, bilden die Quintessenz ihres Daseins

Personen

Der Partner – Bolko Blohm

Gebürtiger Hamburger und aus dem dortigen LKA vom BKA Berlin angeworben worden. Extrovertiert, leicht chaotisch, so charmant wie sarkastisch, schlagfertig und überschnell in allem.

Er ist aus Überzeugung unrasiert, trägt zumeist Jeans und Schmuddelhemden, dazu eine alte Lederjacke und schwere Schuhe. Eher ein Freund von Junk- und Convenience Food, wohnt er in einem urgemütlichen Ein-Zimmer Apartment ohne Küche, dafür mit riesigem Kühl- und Gefrierschrank und extrem vielseitiger Mikrowelle neben dem Bettsofa. Sein Altar ist die Mutter aller Stereo-Anlagen von der schottischen Firma Linn, die monströsen Lautsprecher sind Eigenbau. Die gesamte Wand ist ein einziges Plattenregal, denn als Jünger des handgemachten Blues und Rock verachtet er das Medium CD aus tiefster Überzeugung. Er fährt einen perfekt erhaltenen schwarzen Jaguar XJS, der unter der Haube einen Hochleistungsmotor verbirgt. Der Kofferraum ist nicht existent, da von Endstufe und Basstöner für die Stereoanlage besetzt.

Durch seine unorthodoxen Ermittlungsmethoden ist er einerseits sehr erfolgreich, steht jedoch zugleich unter ständiger Beobachtung seiner Vorgesetzten. Trotzdem ist er ein ebenso akribischer wie professioneller Ermittler. Dies und seine Lebenserfahrung, die man im Englischen mit dem Begriff „street-wise“ umschreibt, lässt die Leiterin der internationalen Abteilung des BKA auf ihn aufmerksam werden.

Die Chefin: Birte Halbach

Leitet die internationale Ermittlungsabteilung des BKA Berlin. Eine burschikose und gnadenlos direkte Frau in den Fünzigern, dynamisch und knallhart. Behauptet sich ohne jede Schwierigkeit in der Männerdomäne BKA und leitet ihr Dezernat mit der rustikalen Autorität eines Feldwebels und der Übersicht eines Familienoberhaupts, das mit beiden Beinen felsenfest auf der Erde steht. Nimmt ihr Team hart ran, verteidigt es aber mit Klauen und Zähnen nach aussen und vor allem gegenüber Autoritäten, sowohl innerhalb als auch ausserhalb des BKA. Daher stammt ihr Spitzname Mutter Courage.

Das Ermittlerteam

Enzo Moretti, intelligenter und gut aussehender Oberkommissar mit vielen verborgenen Qualitäten und perfektem Netzwerk in BKA und in der Aussenwelt. Seine italienisch heissblütige Abstammung dringt nur dann durch, wenn er eine Essenslieferung von einem seiner unzähligen Verwandten erhält, ein Spiel von Inter Mailand verfolgt oder undercover den klassischen Südländer spielt. Ansonsten ist er ein versierter, erfahrener und konzentrierter Ermittler.

Alenka Motte: Kommissarin und die Technikerin des Teams, vor deren Netz- und IT-Kenntnissen so mancher Informatiker des BKA vor Neid erblasst. Sie ist asketisch schlank, durchtrainiert und mit einer eher maskulinen Schönheit ausgestattet. Trotz ihres Hangs zum Einzelgängertum entwickelt sie sich dennoch zu einer guten Teamplayerin, die charmant sein kann, wenn es unbedingt nötig ist. Kennt und schätzt Kiran noch als ihren Professor aus der Akademie, daher auch sehr beschlagen in Psychologie und Tätertypisierung.

Die beste Freundin und Staatsanwältin: Eleonore Roellinghoff

Ende vierzig, attraktiv, intelligent, zielstrebig und absolut integer. Wie Birte Halbach eine ehrgeizige Kämpferin in einer Berufswelt, die von Männern dominiert wird. Ihre enge Freundschaft zu Kiran geht in die Zeit seiner Ausbildung und ihres Studiums zurück: Sie ist die Tochter seines Ausbilders bei der BKA Akademie. Beide verbindet der Hang zu Unabhängigkeit und kompletten Kontrolle ihrer persönlichen Welt.

Der Mentor: Horst Roellinghoff

Schnauzbärtiger Pfeifenraucher, Jazzliebhaber und pensionierter Ausbilder in der BKA Akademie. Ein Haudegen der alten Schule und Mann der ersten Stunde des BKA, gehört zur Generation Herold (Footnote als Popup?) und ist daher ein überzeugter Verfechter moderner vernetzter Ermittlungsmethoden und der realitätsbezogenen Ausbildung. Er ist Entdecker und Mentor Kirans, den er sowohl in allen Feinheiten der Ermittlungsarbeit als auch in den unterschiedlichsten Techniken des aktiven Einsatzes unterwiesen hat. Seit Kirans traumatischen Abschied vom FBI hat sein Verhältnis zu seinem Schützling etwas gelitten, was sich jetzt, da Kiran wieder aktiv im Feld ermittelt, wieder ändert.

Der Stammwirt – Nestor Lloyd

Brite von der Merseyside, bärbeißig, wortkarg und Gastwirt mit Leib und Seele. Liebt seine Frau, den FC Liverpool und Berlin (in dieser Reihenfolge). Namensgeber, Bar- und Küchenchef des Lloyd‘s, Kirans Stammlokal im Parterre seines Wohnhauses am Paul-Lincke-Ufer. Trägt zu jedem Anlass aus der Hose hängende, grausig gemusterte Hemden plus loser, ebenso entsetzlicher Krawatte. Nach Auflösung seines Batallions in Berlin hat er beschlossen, in dieser Stadt zu bleiben und seinen Traum der Gastronomie zu verwirklichen: Einen Pub mit exzellenter Küche und einer Einrichtung, die allen Verirrungen seines anarchischen Geschmacks Rechnung trägt. Ebenso unberechenbar kocht Nestor, wonach ihm gerade der Sinn steht, dies aber ausnahmslos auf allerhöchstem Niveau. Daher gibt es auch keine Speisekarte, Nestor entscheidet und teilt seinen Gästen am Tisch mit, was er Ihnen anbietet – das kann je nach Sympathie auch wenig bis gar nichts sein. Verachtet Restaurantkritiker und das gesamte Gourmetgesindel in deren Schlepptau, was ihm zweifelhafte Besprechungen und eine mitunter eigenartige Klientel einbringt.

Der Stammgast: Alistair Campbell

Schotte und ebenfalls in Berlin gestrandet, wo er anders als daheim in den Highlands die kulinarischen Genüsse besser ausleben kann. Liebt edles Essen und ist exzellenter Wein- und Whyskykenner. Hasst als überzeugter Rentner Bewegung jeglicher Art außer dem jährlichen Lachsfischen in Alaska. Fußball ist für ihn ein Mädchensport – er ist Rugby-Veteran mit Leib und Seele. Pflegt ständig wechselnde politische Ansichten, die er je nach Gesprächspartner modifiziert, um diesen aus der Reserve zu locken. Einzige Ausnahme: Er pflegt eine intensive Abneigung gegen alle US-Demokraten. Seit seiner Zeit in Hong Kong, wo er innerhalb weniger Jahre zum Grossunternehmer aufstieg, ist er Experte in Karriere- und Anlagefragen. Befindet sich ständig im liebevollen und mitunter erbittertem Clinch mit Nestor, um den alten Zwist zwischen Schotten und Engländern am Leben zu erhalten. Außer rüden Witzen zitiert er dazu oft und gerne aus dem einzig wichtigen Buch, das jemals geschrieben wurde: How the Scots invented the modern world, the true story of how Western Europe’s poorest nation created our world and everything in it.